Arbeiter auf Gehweg
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Dauerhaft prekär trotz Arbeit

Gut vier Millionen Menschen arbeiteten und lebten zwischen 1993 und 2012 dauerhaft in prekären Verhältnissen. Das heißt: Sie hatten über mehrere Jahre einen Job ohne Perspektive, zu wenig Einkommen und mangelhafte soziale Absicherung. Gleichzeitig lebten sie in unsicheren Haushalten, in schwieriger finanzieller Situation und unzureichenden Wohnverhältnissen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, an der vom WZB Jutta Allmendinger und Stefan Stuth mitgewirkt haben.

Das Forscherteam wertete Daten von knapp zehntausend Menschen aus der Langzeitstudie SOEP (Sozio-oekonomisches Panel) aus. Dabei untersuchten sie, wie sich die Arbeits- und Lebensumstände über zehn Jahre hinweg verändert haben. Konkret unterteilten sie dazu den Zeitraum von 1993 bis 2012 in zwei Perioden.

Die Studie legt einen mehrdimensionalen Maßstab an, um zu ermitteln, wer in Deutschland dauerhaft zum Prekariat gehört. Zum einen schauten die Forscher auf das Erwerbsleben - auf Aspekte wie etwa Niedriglohn, die Unsicherheit des Jobs, fehlenden Kündigungsschutz oder körperlich stark belastende Tätigkeiten. Zum anderen betrachten sie den Haushaltskontext: Armut, beengte Wohnverhältnisse oder auch Überschuldung. Nur wenn verschiedene Faktoren über einen längeren Zeitraum zusammentreffen, zählen laut Studie Menschen zum sogenannten verfestigten Prekariat.

Das Ergebnis: 12,3 Prozent der Erwerbsbevölkerung waren im untersuchten Zeitraum (1993 bis 2012) überwiegend prekär beschäftigt und mussten sich anhaltend mit einer solchen Haushaltslage arrangieren. Das betraft mit 6,7 Prozent vor allem Frauen zwischen 25 und 54 Jahren, die meisten von ihnen Mütter. Die zweitgrößte Gruppe (4,3 Prozent der Erwerbstätigen) waren Väter, ebenfalls im Haupterwerbsalter, denen es selbst bei dauerhafter Erwerbstätigkeit nicht gelingt, „gemeinsam mit ihrer Partnerin die Familie sicher zu versorgen“, wie es in der Studie heißt. Die drittgrößte Gruppe (1,3 Prozent der Erwerbstätigen) waren junge Männer zwischen 15 und 25 Jahren.

Auch Menschen ohne Berufsausbildung sind besonders oft prekär beschäftigt. Doch eine Ausbildung oder ein Studium schützen nicht unbedingt vor prekärer Beschäftigung. Entscheidender ist, ob Menschen tatsächlich in ihrem erlernten Beruf arbeiten. Das zeigt eine weitere WZB-Studie zum Thema Prekariat. Dass Arbeiten im erlernten Beruf so wichtig ist, gilt nicht nur für Facharbeiter, sondern auch für Akademiker.

 

Die Studie wurde von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert.