Ausstellung Gosewinkel
DHM

Wer gehört dazu?

Wer ist draußen, wer ist drinnen? Staatsbürgerschaft entscheidet auch im 21. Jahrhundert noch über Zugehörigkeit. Welche historische Entwicklung das Konzept der Staatsbürgerschaft seit dem 18. Jahrhundert nahm, wird jetzt in einer neuen Ausstellung – kuratiert von WZB-Forscher Dieter Gosewinkel – dokumentiert.

Am Deutschen Historischen Museum (DHM) beginnt am 30. Juni die Ausstellung „Staatsbürgerschaften. Frankreich, Polen, Deutschland seit 1789“. Wie kaum drei andere Länder in Europa seien die Staaten miteinander verbunden, sagte ihr Kurator Dieter Gosewinkel, Senior Researcher der Forschungsprofessur Global Constitutionalism, bei der Pressekonferenz. Alle Wendungen und Entwicklungen – auch Abgründe – könne man am Beispiel Frankreichs, Polens und Deutschlands zeigen.

Das tut die Schau ganz konkret in sieben Abschnitten und entlang einer Zeitlinie von 1789 bis zur Gegenwart – mit zahlreichen Objekten, Bildern, Tafeln, Transkriptionen, dabei inklusiv und sprachenreich auf Deutsch, Englisch, Französisch, Polnisch und in einfacher Sprache. Von den Akteuren im Verfahren der Einbürgerung über die Ausgrenzung und Diskriminierung der Juden und Jüdinnen, die Staatsbürgerschaft von Frauen bis hin zur staatsbürgerlichen Bildung reichen die Themen.

Die Ausstellung zeigt „die positiven und negativen Folgen der Verrechtlichung von Zugehörigkeit“, sagte DHM-Präsident Raphael Gross bei der Pressevorstellung. Staatbürgerschaft führe Menschen zusammen und trenne sie zugleich; sie entscheidet darüber, wer drinnen ist und wer außen vor. Eine Bestandsaufnahme sieht Dieter Gosewinkel in der Ausstellung, die die Renationalisierungstendenzen der vergangenen Jahre aufgreife und deutlich mache, dass „Staatsbürgerschaft die dominante Form von Zugehörigkeit ist“. Sie entscheide über Lebens- und Überlebenschancen.

Nach Höhepunkten des Konzepts von Staatsbürgerschaft gefragt, nannte Dieter Gosewinkel die Maastrichter Verträge und die Unionsbürgerschaft. Diese erhalten leider durch den Brexit wieder einen Dämpfer – konkrete Auswirkungen werden am Beispiel einer jüdischen Familie in London gezeigt.

Die Ausstellung ist bis zum 15. Januar 2023 zu sehen. Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm.

30.6.22/kes

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Dieter Gosewinkel DHM
Kerstin Schneider

Dieter Gosewinkel bei der Eröffnung der Ausstellung. Er ist Senior Researcher der Forschungsprofessur Global Constitutionalism.

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Ausstellung DHM
Kerstin Schneider

Zur Presseinformation des Deutschen Historischen Museums.

Die Rede von Dieter Gosewinkel zur Eröffnung der Ausstellung finden Sie im Blog des DHM.