Wissenschaftspreis 2018

Für seine Arbeiten zur Wirksamkeit entwicklungspolitischer Maßnahmen ist WZB-Direktor Macartan Humphreys mit dem Wissenschaftspreis des Stifterverbandes „Gesellschaft braucht Wissenschaft“ ausgezeichnet worden.

Humphreys Forschung widerlegt den positiven Effekt gängiger Praktiken in der internationalen Entwicklungshilfe. Beispielhaft ist seine Untersuchung zur politischen Partizipation in Entwicklungs- und Schwellenländern des globalen Südens. So konnte Humphreys zeigen, dass bessere Informationen über politische Akteure nicht zu einer Steigerung der politischen Teilhabe strukturell benachteiligter Bevölkerungsgruppen, insbesondere Frauen und arme Bürgerinnen und Bürger, führt.

In einer groß angelegten Erhebung ließen Humphreys und sein Team in Uganda sechs Monate lang Radiokampagnen schalten, die genau diese benachteiligten Gruppen aufforderten, ihre Belange über ein einfaches SMS-System ihren jeweiligen Abgeordneten mitzuteilen. Obwohl 100 Abgeordnete des ugandischen Nationalparlaments teilnahmen, wurden die Belange der diskriminierten Gruppen nicht stärker in Gesetzgebungsverfahren berücksichtigt als zuvor. Der Grund: Diese beteiligten sich besonders wenig an diesem System. Die Studie macht deutlich, dass strukturelle Ungleichheiten  nicht durch Einzelmaßnahmen behoben werden können.

In einer anderen Studie überprüfte der Politikwissenschaftler die Wirkung finanzieller Zuwendungen zur Selbstverwaltung am Beispiel Ostkongos. Das Ergebnis: Die Gelder hatten nicht den gewünschten Effekt; die politische Selbstverantwortung lokaler und regionaler Gemeinschaften wurde nicht gestärkt.

Der Wissenschaftspreis „Gesellschaft braucht Wissenschaft“ wird alle zwei Jahre vom Stifterverband auf Vorschlag der Leibniz Gemeinschaft an Forscherinnen und Forscher vergeben, deren Arbeiten sich durch besondere gesellschaftliche Relevanz und gute Umsetzbarkeit auszeichnen.

23. November 2018

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Porträtfoto Macartan Humphreys
Jacobia Dahm

Macartan Humphreys ist Direktor der Abteilung Institutionen und politische Ungleichheit und Professor an der Columbia University in New York.

Neben Humphreys gehört Thomas J. Jentsch vom Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie zu den diesjährigen Preisträgern.

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