Demokratie und Digitalisierung – Projekt am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft

Abstract

Das am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft angesiedelte Projekt "Demokratie und Digitalisierung" untersucht die Wechselbeziehung zwischen Digitalisierung und demokratischer Selbstbestimmung. Es wird erforscht, wie sich liberal-demokratische Gesellschaften digitale Technologien aneignen, vor allem aber, wie sich Demokratie selbst im Prozess von Digitalisierung wandelt. Drei Schnittstellen dienen als Fokuspunkte der Forschung: Veränderungen im Bereich politischer Partizipation, in Bezug auf demokratische Öffentlichkeit und mit Blick auf Recht und Herrschaft. In allen drei Bereichen verklammert die Forschung der Gruppe demokratietheoretische Fragestellungen mit aktuellen empirischen Befunden zur Entwicklung digitaler Kommunikationsinfrastrukturen.

Politische Partizipation

Im Bereich „Politische Partizipation“ geht es um die Frage, wie sich individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit wandelt und wie dieser Wandel demokratietheoretisch zu bewerten ist. So wird etwa untersucht, wie sich die Rahmenbedingungen politischen Handelns in Bezug auf den staatlichen Regulierungsrahmen oder die Möglichkeit außerparlamentarischer Organisations- und Interventionsformen verändern.

Wandel von Öffentlichkeit(en)

Im Bereich „Wandel von Öffentlichkeit(en)“ wird etwa die Bedeutung der Datafizierung und algorithmischer Selektion von Informationen und deren Verbreitung im Kontext privatwirtschaftlich organisierter, global aufgestellter Plattformen erörtert. Daraus basierend wird die Frage zu beantworten gesucht, inwieweit und mit welchen Mitteln Demokratien ‘ihre’ Öffentlichkeiten strukturieren und moderieren können.

Recht und Herrschaft

Im Bereich „Recht und Herrschaft“ erforscht die Gruppe etwa, inwiefern in Reaktion auf Digitalisierung grundlegende demokratische Rechte – etwa Privatheit oder Versammlungsfreiheit – konzeptionellem Wandel ausgesetzt sind und ob und wie sich grundrechtliche Schutzbereiche durch emergente Eingriffs- und Gefährdungsszenarien verändern und neu gefasst werden müssen.

Website: https://weizenbaum-institut.de/forschung/fg12/

Ansprechpartner: Dr. Thorsten Thiel

 

Ressourcen:

Hofmann, Jeanette (2019): "Die digitalisierte Demokratie". In: WZB-Mitteilungen, H. 163, Sonderausgabe zu 50 Jahre WZB "in touch. Forschung und Gesellschaft", S. 9-11.

Fleuß, Dannica/Helbig, Karoline/Schaal, Gary S. (2018): "Four Parameters for Measuring Democratic Deliberation. Theoretical and Methodological Challenges and how to Respond". In: Politics and Governance, Vol. 6, No. 1, Special Issue "Why Choice Matters. Revisiting and Comparing Measures of Democracy", edited by Heiko Giebler/Saskia P. Ruth/Dag Tanneberg, S. 11-21.

Helbig, Karoline (2018): "Der Einfluss von Algorithmen auf demokratische Deliberation". In: Resa Mohabbat Kar/Basanta Thapa/Peter Parycek (Hg.): (Un)berechenbar?. Algorithmen und Automatisierung in Staat und Gesllschaft. Berlin: Kompetenzzentrum Öffentliche IT, S. 339-363.

Hofmann, Jeanette (2017): "Demokratie im Datenkapitalismus. Das Verhältnis von Medien und Macht muss neu vermessen werden". In: WZB-Mitteilungen, H. 155, S. 14-17.