Politischer Protest und Radikalisierung (Protest-Monitoring)

Abstract

Seit den 1990er Jahre prägen Fragen von Einwanderung, Integration und Religion zunehmend das Protestgeschehen in Deutschland. Damit verbunden findet eine – oft gewalttätige – Mobilisierung und Gegenmobilisierung in der Protestarena statt. Im Rahmen eines kontinuierlichen Protest-Monitorings untersuchen wir politische Radikalisierung und Protest aus verschiedenen Perspektiven. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Zusammenspiel zwischen islamistischen, radikalen rechten und linken Strömungen. Das Projekt hat drei empirische Schwerpunkte:

  • Protestereignisse: Wann, wo, von wem und zu welchen Themen wird protestiert? Welchen Anteil hat politisch motivierte Gewalt an diesem Protest? Welche räumlichen Bezüge und Schwerpunkte – sowohl transnationaler als auch regionaler Art – lassen sich mit Blick auf extremistische Proteste identifizieren?
  • Diskursiver Kontext: Was sind die diskursiven Gelegenheitsstrukturen von politischem Protest und Radikalisierung? Welche Akteure, Themenfelder und Deutungsmuster werden im Hinblick auf Radikalisierung in der deutschen Öffentlichkeit diskutiert? Welche Konflikte und Eskalationsdynamiken bestimmen die Debatten?
  • Radikalisierte Protestakteur*innen: Mit welchen sozialstrukturellen Merkmalen, Lebensverläufen, Gruppenzugehörigkeiten und mobilisierenden Strukturen hängen Radikalisierungsprozesse zusammen?

Zur Beantwortung dieser Forschungsfragen stützt sich unser Projekt auf eine umfangreiche Datenerhebung, die drei eng aufeinander bezogene Erhebungsinstrumente beinhaltet: eine systematische Gesamterhebung von Protestereignissen (einschließlich politischer Gewalt); eine Erhebung öffentlicher Debatten sowie eine Erhebung der Profile radikalisierter Protestakteur*innen. Empirisch basiert das Protest-Monitoring des WZBs unter anderem auf Medienberichterstattung in überregionalen und regionalen Tageszeitungen und kombiniert automatisierte und manuelle Verfahren der quantitativen Inhaltsanalyse.

Das Projekt ist Teil des Spitzenforschungsclusters „Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung“ (MOTRA), einem über das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt im Kontext der zivilen Sicherheitsforschung.

Laufzeit
2019 - 2024
Förderung
Bundesministerium für Bildung und Forschung