Globalisierungs- und Kommunikationskonzept. Erde und Leuchtstrahlen. 3D-Rendering - Stock-Fotografie
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Die internationale Ordnung befindet sich nicht einfach nur im Niedergang – sie verändert sich strukturell

Perspektiven für die globale Zukunft

Wie wird die Welt in einigen Jahren aussehen? Wie wirken sich der Niedergang der Global Governance, das Aufkommen neuer Konfliktlinien und das Nachlassen der liberalen internationalen Ordnung auf internationale Organisationen aus? Sind diese Entwicklungen lediglich auf den Niedergang der Hegemonie oder die schwindende Anziehungskraft des liberalen Narrativs zurückzuführen? Michael Zürn, Direktor der Abteilung „Global Governance“ am WZB, analysiert das Verhältnis dieser Konzepte, die oft miteinander vermischt werden, anhand des neuen NALFI-Rahmenmodells (Normativität, Autorität, Liberalismus, Fragmentierung, Ungleichheit). 
 
In seiner Studie „Charting Global Futures: a Configurative Perspective on International Order“ argumentiert Zürn, dass der Niedergang der globalen Governance, das nachlassende Anziehungskraft der liberalen internationalen Ordnung und der wachsende Druck auf internationale Organisationen zwar miteinander verbunden sind, aber nicht auf dieselbe Weise. Der Autor führt drei Punkte an:
 
  • Die „liberale internationale“ Ordnung, die sich Ende des 20. Jahrhunderts herausbildete, basierte auf einem System der Global Governance. Sie barg bereits den Keim für Auseinandersetzungen und Niedergang in sich. 
  • Daraufhin entstand ein systemischer Konflikt, in dem liberale Demokratien und ihre Verbündeten diese Ordnung gegen autoritäre Herausforderungen verteidigten. 
  • In jüngster Zeit hat der Aufstieg autoritärer Kräfte innerhalb liberaler Demokratien die Lage erneut verändert und eine komplexere dreigliedrige Struktur aus Macht und Ideologie geschaffen, in der liberale Demokratien mit zwei getrennten autoritären Blöcken konfrontiert sind. 
Die Studie legt nahe, dass wir uns auf eine Welt zubewegen, in der ein rein bilateraler Hegemoniekonflikt zwischen den USA und China in eine dreigliedrige ideologische Struktur eingebettet ist, in der populistische autoritäre Regime (z. B. Russland), bürokratische autoritäre Regime (z. B. China) und liberale Demokratien (die meisten davon in der EU) die Hauptakteure sind. Mit Trumps zweiter Amtszeit bewegen sich die USA zunehmend in das Lager der populistisch-autoritären Staaten, wodurch die liberalen Demokratien zum militärisch und technologisch schwächsten der drei Lager werden. Zürn kommt zu dem Schluss, dass wir in einem Zeitalter des Wandels leben. Die gegenwärtige internationale Ordnung befinde sich im Entstehen und werde durch das liberale System der Global Governance als grundlegende Ordnung bestimmt, die liberalen Demokratien als Verteidiger dieser Ordnung sowie verschiedene Arten intensiver Auseinandersetzungen.
 
“Challenges to International Orders: Causes and Consequences” ist auch das Thema unserer 2. jährlichen interdisziplinären Konferenz, die vom 7. bis 9. Oktober am WZB stattfindet. Die wissenschaftliche Konferenz bringt Forscher*innen aus den Bereichen Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften zusammen, um zu untersuchen, wie internationale Ordnungen in Frage gestellt und neu gestaltet werden – und was dies für Staaten, Gesellschaften und die globale Zusammenarbeit bedeutet.  
 

17/6/26, kes